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Mein Auslandspraktikum in Sri Lanka Teil 1

Mein Studium dauert insgesamt acht Semester und beinhaltet in allen drei Sommersemesterferien eine Praxisphase. Die ersten beiden Praktika strecken sich über einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen und das letzte Praktikum dauert drei Monate und ist somit das "große Praktikum". Normalerweise sind Ausbildungen und Studiengänge im Sozialwesen so aufgebaut, dass man ein Anerkennungsjahr oder ein Praxissemester in der Ausbildung, bzw. im Studium integriert hat, welches einen Einblick in die Praxis geben soll und kann. An der FH, an der ich studiere, gibt es drei Praktika, die dafür kürzer sind. Das hat Vor- und Nachteile: Zum einen kriegt man in die Praxisfelder teils nur oberflächliche Eindrücke und wird auch in einigen Einrichtungen und Ämtern erst ab einer Praktikumsdauer ab zwei Monaten eingestellt, zum Anderen gewinnt man so allerdings mehrere Einblicke in verschiedene Tätigkeitsfelder. Das Tätigkeitsspektrum in der Sozialen Arbeit ist gigantisch und daher möchte ich gerne so viel Praxiserfahrung in so vielen Bereichen wie möglich sammeln, bevor ich mich auf ein Arbeitsfeld festlege.
In einer Info-Veranstaltung der FH habe ich Ende des ersten Semesters erfahren, dass wir die Praktika auch im Ausland machen können und dass es am meisten Sinn ergeben würde - sofern es in Frage kam - das Auslandspraktikum als erstes Praktikum zu machen. Da ich mir immer während der Schulzeit gewünscht habe, länger ins Ausland zu gehen oder auch ein Jahr zu reisen, mich aber bis zum Abi nicht getraut habe und danach nicht das nötige Kleingeld hatte, um ein Jahr Work and Travel zu machen, habe ich mich sehr gefreut, dass die Möglichkeit bestand, das Praktikum für's Studium im Ausland zu machen. Ich habe mich weiter informiert und bei einer anderen Info-Veranstaltung der VEM (Vereinten Evangelischen Mission) erfahren, dass ein Sommerpraktikum in Sri Lanka angeboten wurde. 
Von Sri Lanka hatte ich bis dahin recht wenig gehört. Ich kannte früher ein paar Kinder, die mit mir zur Schule gegangen sind, die - soweit ich mich erinnern konnte - tamilisch waren, wusste ungefähr wo es geografisch angesiedelt ist und, dass dort vor nicht allzu langer Zeit zum einen ein Bürgerkrieg herrschte und zum anderen ein Tsunami einen Großteil der Insel zerstörte.
Je mehr ich mich mit dem Gedanken, ein Auslandspraktikum zu machen, auseinander setzte, desto mehr informierte ich mich über die Möglichkeiten und Organisationen. Da unsere FH lange mit der VEM zusammen arbeitet und das Programm, welches mir vorgestellt wurde, mich am meisten interessierte, informierte ich mich weiter über Sri Lanka. Ich habe mich schließlich dazu entschieden, mich für das Praktikum zu bewerben und daraufhin wurde ich zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.
Bei dem Gespräch saß ich zwei Mitarbeitern der VEM, welche die Praktika koordinieren, gegenüber und wurde nach meiner Motivation gefragt, was ich bisher gemacht habe und wie gut meine Englischkenntnisse sein. Die Gesprächsatmosphäre war sehr angenehm und ich hatte danach ein recht gutes Gefühl. Kurze Zeit später kam die Zusage zum Praktikumsplatz.
Im Frühling 2016 folgte ein Vorbereitungsseminar in Wuppertal in einem Tagungszentrum, da lernte ich die anderen PraktikantInnen kennen. Allein aus meinem Studiengang waren wir zu viert, zwei weitere Studierende von meiner FH waren dabei und ein paar Studierende aus Bochum. Wir erfuhren die Reisedaten, die erste Gruppe "Gruppe A" sollte am 07.07.2016 losfliegen, "Gruppe B" zwei Wochen später. Die Praktikumsordnung meines Studienganges sieht vor, dass die ersten beiden Praktika sechs bis acht Wochen dauern sollen, ich entschied mich, die Zeit auszureizen und das Praktikum acht Wochen lang zu machen und daraufhin noch zwei Wochen durch das Land zu reisen.
Die erste Reisegruppe setzte sich aus drei der Studierenden aus meinem Jahrgang und den zwei aus den höheren Jahrgängen zusammen, damit waren wir insgesamt zu fünft. Die zweite Gruppe bestand auch aus fünf Personen.
In dem dreitägigen Seminar in Wuppertal lernten wir uns gegenseitig kennen, erfuhren den Ablauf der Praktika und konnten einem ehemaligen Praktikanten der VEM, welcher auch in Sri Lanka war, Fragen stellen.
Etwa drei bis vier Wochen vor dem Abflugdatum bekamen wir eine Mail der VEM, dass sich die Kommunikation mit den Einsatzstellen etwas schwierig darstellte und daher auch die Visa auf sich warten ließen. Zwei Wochen vor angestrebtem Abflug kam eine weitere Mail, in welcher der komplette Zeitplan auf den Kopf gestellt wurde. Anstatt, dass wir allein in einer sozialen Einrichtung der Methodist Church of Sri Lanka arbeiteten, sollten wir in den fünfer-Gruppen durch das Land reisen und verschiedene Einrichtungen besuchen. So konnten wir zwar mehr von der Insel sehen, jedoch keinen tieferen Einblick in die Soziale Arbeit Vorort erlangen.
Die Visa kamen - spät aber rechtzeitig. Ein Praktikant erhielt seins erst einen Tag vor dem Flug.
In Düsseldorf am Flughafen trafen wir als Gruppe wieder aufeinander. Die beiden Mädels, mit denen ich seit mittlerweile zwei Jahren studiere, sind mir in der Zeit unheimlich ans Herz gewachsen.
Der Abschied von meiner Familie war von gemischten Gefühlen geprägt. Ich war noch nie wirklich lange weg, obwohl ich mittlerweile in einer anderen Stadt wohnte, sah ich meine Familie und meinen Freund alle ein bis zwei Wochen. Aber ich war auch neugierig, aufgeregt und gespannt, wie die Zeit werden würde. 

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