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Warum ist Religion für mich Teil Sozialer Arbeit?

Ich studiere nicht nur Soziale Arbeit, sondern in einer Art Doppelstudium Soziale Arbeit und Diakonik. Das ist für mich aus mehreren Gründen das passende Studium, in diesem Post möchte ich mich darauf konzentrieren, wieso ich der Meinung bin, dass Religion Bestandteil einer Ausbildung/eines Studiums im Sozialen Bereich sein sollte. Dafür möchte ich zunächst einmal definieren, was Religion für mich in diesem Zusammenhang ist: Erstens beschränkt sich Religion - anders als es in der Schule oft dargestellt wird (auf meiner Schule konnte ich wählen zwischen katholischem und evangelischem Religionsunterricht und Philosophie) - nicht auf das Christentum, sondern umfasst alle Religionen. Außerdem definiert sie sich durch ihre Vielfalt. Es gibt nur Religion, weil es mehrere Religionen gibt. Das umfasst unter Anderem monotheistische Religionen (Islam, Judentum, Christentum), polytheistische Religionen (Hinduismus, Buddhismus, etc.) und Naturreligionen, aber auch den Atheismus - also das Glauben an keinen Gott. Der Begriff Religion kommt von dem lateinischen Wort relegere und ist mit bedenken und berücksichtigen zu übersetzen.
Im Allgemeinen wird in der Theologie zwischen Religion von Glauben unterschieden. Dem stimme ich insofern zu, dass Religion nicht nur eine bestimme Glaubensrichtung beschreibt, sondern das generelle Fragen nach transzendentaler Existenz. Ein anderer, ähnlicher Begriff ist der der Weltanschauung. Eine Weltanschauung hat  m. E. ohne Ausnahmen jeder Mensch. Diese kann klar definiert und in einer bestimmten Glaubensrichtung manifestiert sein. Allerdings ist sie auch wandelbar und flexibel, verändert sich stetig, wenn auch nicht immer sichtbar.
Mit der Grundhaltung, dass jeder Mensch einen eigenen Bezug zur Welt, zur Existenz und zu den nicht leicht zu beantwortenden Fragen des Sinns und des Seins hat, kann ich Religion in einem Berufsfeld, in dem ich den verschiedensten Menschen begegnen kann, nicht außer Acht lassen. Also ist es aus meiner Perspektive grundsätzlich wichtig, seinem Gegenüber mit Achtung und Respekt in Bezug auf welche Weltanschauung auch immer zu begegnen. Das ist die erste Grundkompetenz, die in einer Ausbildung/einem Studium im sozialen Bereich vermittelt werden sollte. Die zweite Grundkompetenz ist das Wissen von religiöser Vielfalt. Eigentlich würde ich sogar behaupten, dass diese Aneignung schon Teil der schulischen Bildung oder sogar der Elementarpädagogik sein sollte (In der Theorie - und in Teilen Deutschlands auch schon in der Praxis - wird das auch umgesetzt). Umso wichtiger erscheint es mir in der Sozialen Arbeit, während der Ausbildung/dem Studium verschiedene Weltanschauungen kennen zu lernen, sich mit verschiedenen Religionstypen auseinander zu setzen und auch die eigene Glaubensfrage erneut zu beantworten.

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