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Wieso Soziale Arbeit studieren?

In diesem Beitrag möchte ich mich damit befassen, wieso ich mich persönlich dazu entschieden habe, Soziale Arbeit zu studieren. Ich habe schon öfter die Frage gestellt bekommen, wieso Soziale Arbeit überhaupt ein Studienfach ist, das in meinem Fall sogar acht Semester in Anspruch nimmt. Um diese Frage zu beantworten, will ich einmal erläutern, wie umfangreich das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit überhaupt ist. Viele Menschen, mit denen ich über mein Studium gesprochen habe, wussten gar nicht, was Aufgabenfelder eines/einer SozialarbeiterIn sein können. Ganz klassische Arbeitsfelder sind zum Beispiel die Sucht- und Wohnungslosenhilfe, Kinder-, Jugend- und Familienarbeit, Altenhilfe, der wirklich komplexe Arbeitsbereich mit Menschen mit Behinderungen, sowie stationäre und ambulante Begleitung, Betreuung und Beratung. Allgemein kann gesagt werden, dass  Soziale Arbeit überall da anknüpft, wo es um den Menschen als Teil des sozialen Systems Gesellschaft geht. Da diese Felder sehr umfassend sind und viele andere Fachdisziplinen, wie z.B. die Heilpädagogik, Gesundheitswissenschaft oder Psychologie, dort zuhause sind, stellt sich jetzt folgende Frage:

Was macht Soziale Arbeit zu einer Profession?

Die Internationale Vereinigung der SozialarbeiterInnen (IFSW)  definiert die Profession Soziale Arbeit als praxisorientierte, akademische Disziplin, welche sozialen Fortschritt, Entwicklung und Empowerment fördert. Unterschiede zwischen professionellem sozialen Handeln und allgemein menschlicher Interaktion sind dann gut zu erkennen, wenn es um die Frage der Reflexion geht. Solang eine Handlung, beispielsweise eine Gruppeninteraktion im Rahmen der Erlebnispädagogik, nicht fachgerecht reflektiert wird, kann sie nicht zur professionellen Sozialen Arbeit gezählt werden. Erst, wenn pädagogisch erarbeitet wird, wie sich die Teilnehmenden vor und nach der Aktion fühlen, welche Erkenntnisse sie gewonnen und auch welche Hypothesen sich bestätigt haben, ist von einer professionellen Sozialen Arbeit zu sprechen. Kompetenzen wie diese werden im Studium erlernt, zusätzlich zu einem umfassenden Wissen an Methoden der Sozialen Arbeit und methodischem Handeln in der Sozialen Arbeit. Auch hier ist zu unterscheiden: Das reine theoretische Wissen von Methoden macht die Profession nicht aus, erst durch die Kompetenz zu methodischem Handeln und der damit verbundenen Fähigkeit zur Reflexion und fachlich gestützten Begründung des Handelns wird dieses professionell. SozialarbeiterInnen müssen sich schon allein aus finanziellen Gründen für ihr Handeln oft rechtfertigen. Das ist so zu verstehen, dass der Großteil der Handlungen dokumentiert und benannt werden muss. Nur so können Gelder akquiriert und ein Handlungsspielraum überhaupt eingeräumt werden. Da sich das Arbeitsfeld im Sozialwesen allgemein zunächst auf Dienstleistungen beschränkt, kann kein direkter monetärer Gewinn erwirtschaftet werden, wie beispielsweise in der Produktion verschiedener Güter. Ein Stichwort hier ist das Social Return Of Investment (SROI), welches mit dem Begriff Sozialrendite zu übersetzen ist. 

Ich bin mit der wagen Idee ins Studium gestartet, im sozialen Bereich zu arbeiten und "die Welt ein kleines bisschen besser zu machen". Mittlerweile habe ich viele fachlichen Hintergründe kennen gelernt und erst durch das Studium selbst wirklich verstanden, wie wichtig es ist, allgemein gültige fachliche Standards zu kennen. Ich kann jedem/-r ans Herz legen, der/die sich für eine Arbeit im sozialen Bereich interessiert, sich intensiv mit methodischen Handlungsmustern, der aktuellen Rechtslage und auch Methoden zur Selbstreflexion auseinander zusetzen. Vieles, was die Soziale Arbeit als Profession ausmacht, ist zu erlernen. Jedoch kann all das Wissen nicht optimal genutzt werden, wenn die eigene Haltung im beruflichen Kontext keinen Abstand zur persönlichen Meinung nehmen kann.

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